01.10.2025

Interview – Blick aktuell, Daniel Robbel

Was hat Sie persönlich motiviert, die Geschäftsführung der Zukunftsregion Ahr zu übernehmen?

1. Herr Bongart, Sie sind tief in der Region verwurzelt und bringen umfassende Erfahrung mit. Was hat Sie persönlich motiviert, die Geschäftsführung der Zukunftsregion Ahr zu übernehmen?
Ich bin im Kreis Ahrweiler aufgewachsen – die Region ist meine Heimat. Nach der Flut war für mich klar: Ich möchte nicht nur zusehen, sondern Verantwortung übernehmen. Die Zukunftsregion Ahr bietet die Chance, gemeinsam mit engagierten Menschen neue Wege zu gehen – für eine lebenswerte und widerstandsfähige Region. Das ist für mich weit mehr als ein Job – es ist ein persönliches Anliegen.

2. Der Verein verfolgt einen vernetzten, nachhaltigen Wiederaufbau der Region. Welche konkreten Impulse möchten Sie zu Beginn Ihrer Amtszeit setzen, um dieses Ziel voranzutreiben?
Ich möchte Projekte mit Vorbildcharakter sichtbar machen und Prozesse vereinfachen, damit gute Ideen schneller Wirkung entfalten. Das neue Fachkräftezentrum ist ein gutes Beispiel: Es hilft Unternehmen im Kreis Ahrweiler, passende Mitarbeitende zu finden – ein wichtiger Baustein für die wirtschaftliche Stabilität. Auch die Gesprächsrunden zur geplanten Dokumentationsstätte der Flutereignisse zeigen, wie Bürgerbeteiligung konkret aussehen kann. Solche Formate bauen wir weiter aus – zur Stärkung der Resilienz, zur Förderung eines kollektiven Lernprozesses und um gezielt Innovationen in der Region aufzuspüren und zu unterstützen.

3. Das Ahrtal hat in den vergangenen Jahren enorme Herausforderungen erlebt. Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht der Aufbau einer „resilienten und lebenswerten Region“ in der aktuellen Phase der Entwicklung?
Resilienz bedeutet, aus der Krise zu lernen und Strukturen zu schaffen, die künftige Herausforderungen besser bewältigen können. Der Wiederaufbau an der Ahr war der Startpunkt – aber unser Fokus liegt auf dem gesamten Kreis Ahrweiler. Auch wenn wir das Wort „Ahr“ im Namen tragen, sind wir in allen acht Kommunen aktiv, stehen im engen Dialog mit den Menschen vor Ort und vernetzen Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Es geht um moderne Infrastruktur, erneuerbare Energien, soziale Teilhabe und wirtschaftliche Perspektiven – in der Stadt wie auf dem Land. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um gemeinsam den nächsten Schritt zu gehen.

4. In Ihrer bisherigen Laufbahn haben Sie erfolgreich regionale Projekte koordiniert. Welche Erfahrungen aus diesen Projekten möchten Sie nun in die Zukunftsregion Ahr einbringen?
Ich habe erlebt, wie viel möglich ist, wenn Menschen zusammenarbeiten – über Zuständigkeiten, Institutionen und Ebenen hinweg. Erfolgreiche Projekte entstehen dort, wo Vertrauen, Klarheit und Beteiligung aufeinandertreffen. Dieses Verständnis nehme ich mit in meine neue Aufgabe: ob beim Aufbau kluger Mobilitäts- und Versorgungsstrukturen, bei der Nutzung erneuerbarer Energien oder bei der Entwicklung nachhaltiger Wirtschaftsimpulse.

5. Der Verein versteht sich als Plattform für Zusammenarbeit zwischen Akteuren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Umwelt, Verwaltung und Wissenschaft. Wie wollen Sie diesen Austausch konkret fördern und gestalten?
Wir schaffen Räume, in denen Ideen wachsen können – digital, vor Ort und im direkten Austausch. Werkstattgespräche, Netzwerktreffen oder Innovationsforen sollen nicht nur informieren, sondern echte Mitgestaltung ermöglichen. In Projekten wie dem Fachkräftezentrum oder der Entwicklung einer Flut-Dokumentationsstätte erleben wir, wie wertvoll dieser Dialog ist. Alle genannten Akteure sind herzlich eingeladen, sich aktiv einzubringen. Als mitgliedergetragener Verein bieten wir dafür einen offenen Rahmen – jede und jeder kann mitgestalten, mitdenken und uns unterstützen. Unser Ziel ist es, die Zukunft im Kreis Ahrweiler nicht nur zu organisieren, sondern gemeinsam zu gestalten.